ANKA SCHMID

Bade-Philosophien (Reflections)

Installation  2014, Installation: 10 Spiegel mit Aufschriften, 2 Hinweistafeln

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Eine Intervention im öffentlichen Raum, bestehend aus zwei verfremdeten Original-Hinweistafeln und zehn Spiegeln mit Fragesätzen, wobei die Sätze auf die vorhandenen Original-Spiegel geschrieben sind.

Alle Fragen sind gekoppelt an die Körperlichkeit. Denn der Ort der Badeanstalt ist nicht nur ein Ort des Freizeitvergnügens und sportlichen Tätigkeiten, sondern auch knallharte Konfrontation mit dem eigenen Körper, der Vergänglichkeit, hochgeschraubten Schönheitsidealen und der Diskrepanz von inneren und äusseren Werten.

Das Abschreiten der Spiegel mit dem Lesen der philosophischen Fragen ist sowohl gedankliche Reflexion als auch eine wortwörtliche Reflexion mit sich selber, denn das Lesen der Sätze auf den Spiegeln beinhaltet gleichzeitig ein sich Anschauen. Insofern stehen die Sätze immer im Bezug zum Betrachter und der Betrachterin. Zudem stehen sie in der Öffentlichkeit und regen so zum Diskurs an.


RealisationAnka Schmid
FormatInstallation: 10 Spiegel mit Aufschriften, 2 Hinweistafeln
Ausstellungen/Aufführungen2014 Bern, Marzili-Bad, «JetztKunst No4»
2015 Zürich, Galerie R57


Anmerkungen

Sobald Künstler ihre Bildwerke in den Aussenraum stellen, geschieht damit etwas, was sich ihrem Einfluss weitgehend entzieht, auch wenn sie sich bewusst auf die Umgebung einlassen oder ihr Werk speziell für den Ort geschaffen haben, wie das ja hier der Fall ist.

Ein individuelles Artefakt – die Skulptur – trifft auf ein anderes, kollektives Artefakt, die Landschaft. Landschaft ist vom Menschen umgeformte Natur, zuerst durch das Roden, dann das Ansähen, Schneiden, Düngen, Ernten, das Säumen von Flussläufen, das Erstellen von Strassen, Häusern, Städten. Schauen Sie um sich: Sie sehen nichts als Künstliches, eine Art kollektives Artefakt eben, dass sich durch die Jahrhunderte durch unzählige Eingriffe geformt und verändert hat. (Nicht einmal die so schöne grosse Esche da drüben ist natürlich. Sie ist in die im 20.Jahrhundert zwischen Männerbad und Frauenbad aufgeschüttete Flussaue gezielt gesetzt und seither zweifellos unzählige Male beschnitten, begossen und gepflegt worden. Durch diese Aufschüttung ist übrigens die hiesige Bade-Landschaft erst entstanden.) Es wird Sie also nicht wundern, wenn die Bezüge der eigentlichen Kunstwerke zu diesem Environnement verschiedenster Art sind, weit über die Intensionen der Künstler hinaus, denn die sie umgebende Landschaft ist ein so reiches, so komplexes Zeichensystem, dass der einzelne Künstler unmöglich alle Einflüsse dieser Umgebung überschauen kann. [...]

Also fragen wir uns doch, was in dieser Ausstellung konkret geschieht, beim Zusammentreffen von Kunst und Landschaft. [..]

Ich spreche zuerst die Gruppe von Künstlern an, die sich mit der Umgebung im engeren Sinn, mit der «Badi» beschäftigt haben. Am formschönsten kommt das bei Gillian White rüber. Elegante Menschensilhouetten belagern die Badewiese. Pauls Cézanne lässt grüssen. Anka Schmid steht am anderen Ende dieses Spektrums. Sie spricht den Badegast direkt an: «Wer lächelt zuerst?» und «Wann ist hässlich schön?» fragen ihre Spiegel den Betrachter. Allein diese beiden Arbeiten lohnten den Besuch der Ausstellung.

Aus der Ansprache von Walter Tschopp bei der Vernissage in Bern, 28. September 2014