ANKA SCHMID

TV-Stube

Installation  2010, Video-Installation: Sofa (Friedemann Ramacher, Stoff-Design: Anka Schmid aus Film-Motiv) , TV-Apparat, Video-Loop, 4 Min, DV-Video, 4:3, Farbe, Mono.

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Video-Installation, bestehend aus Endlos-Loop, TV-Apparat, Sofa, bespannt mit eigenem Stoff-Design.


RealisationAnka Schmid
FormatVideo-Installation: Sofa (Friedemann Ramacher, Stoff-Design: Anka Schmid aus Film-Motiv) , TV-Apparat, Video-Loop, 4 Min, DV-Video, 4:3, Farbe, Mono.


Anmerkungen

Die Künstlerin interessiert sich in dieser Installation für die Frage, inwiefern Bilder an der Konstruktion von Tradition beteiligt sind, bzw. mit welchen Stereotypen das Schweizer Brauchtum vermittelt wird. So richtet sie, angelehnt an das bürgerliche Wohnzimmer, eine stilisierte Fernsehstube ein. Bei genauem Hinsehen entpuppt sich das «heimelige» Ornament des Sofastoffes als Sujet aus dem Tanzfilm. Auf dem TV-Monitor werden Aufnahmen einer volkstümlichen Sendung des Schweizer Fernsehen aus dem Jahr 1998 abgespielt. Bei der präsentierten Darbietung handelt es sich um denselben Paartanz (Hierig), der im benachbarten Tanzsaal zu sehen ist, hier begleitet von der Originalmusik. Auch die Tänzerin ist dieselbe, allerdings noch im Kindesalter. Anka Schmid mischt der Originalaufzeichnung Störbilder bei, mit denen sie auf die Inszenierung im  Fernsehstudio reagiert, auf eine collagierte Klischeewelt unterschiedlichster Schweizer Symbole.

Nadine Schneider, Forum Schlossplatz Aarau 2010

In der Fernsehshow von 1998 zeigt sich die Pervertierung bzw. die Verharmlosung und Vermarktung von Volkskunst ganz deutlich. Gleich zwei Schweizer Mythen werden sinnentleert miteinander kombiniert: zum einen wird der archaische Paartanz, in welchem das leidenschaftliche Liebeswerben dargstellt wird, von einem (niedlichen) Kinderpaar dargeboten und somit verharmlost und zum andern wird das Matterhorn als Kulisse für diese Appenzeller Tanzdarbietung benutzt. Als Zuspitzung der Klischierung einer schönen, heilen, traditionellen Schweiz ist der Zuschauerraum mit roten Geranien geschmückt. Übrigens sind diese typischen «Chalet-Blumen» aus Afrika zu uns eingeführt worden.

Anka Schmid, 2010