ANKA SCHMID

Sophie tanzt trotzdem

0  2014, Video-Installation. 2 synchrone Beamer, 2 Loops, 11 Min, Video HD, Farbe, 16:9, Stereo

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[Texte disponible qu'en allemand:]

Die Video-Installation ist für die Gruppenausstellung «Die Dada – La Dada – She Dada» als Auseinandersetzung mit der Künstlerin Sophie Taeuber-Arp entstanden.

In einer synchronen Parallel-Projektion performen eine maskierte Tänzerin und Sängerin mit Täubers Marionetten, die teils in Menschengrösse und teils als Projektionen auf den Darstellerinnen erscheinen.


RéalisationAnka Schmid
CollaborationNina Vallon, Tanz
Saadet Türköz, Gesang
Dorothee Schmid, Kostüme
FormatVideo-Installation. 2 synchrone Beamer, 2 Loops, 11 Min, Video HD, Farbe, 16:9, Stereo
Festivals/Projections2015 Le Manoir de la Ville de Martigny
2015 Museum Liner Appenzell
2014 Aarau, Forum Schlossplatz


[Texte disponible qu'en allemand:]

Anmerkungen

Meine Video-Installation ist ein Dialog mit Sophie Taeuber-Arps Dada-Phase, in der sie neben bildnerischen Werken auch die Dada-Köpfe und die Marionetten erschaffen hat und als Tänzerin bei Dada-Anlässen auftrat. Da mich der Tanz in meiner eigenen Arbeit seit Jahren begleitet, galt mein Interesse vor allem ihrem tänzerischen Schaffen. Von diesen Tanz-Performances gibt es aber nur ein einziges Foto, wenige Beschreibungen von Zeitzeugen und keine persönlichen Texte von Taeuber selbst.

Ich begann mir ihre Tänze zu imaginieren und die Umstände zu vergegenwärtigen, unter denen Taeuber tanzte, den Esprit zu erhaschen. Die Künstlerin reagierte «live» auf die Aktionen anderer Dada-Aktivisten und schuf aus diesem gemein­samen Schöpfer-Geist heraus ein flüchtiges Werk – ein Tanz allein für den Moment bestimmt.
Dieser Geist sollte auch in meine Videoinstallation einfliessen. Ich initiierte eine Zusammenarbeit mit der Genfer Tänzerin Nina Vallon, der kasachischen Sängerin Saadet Türköz und der Zürcher Kostümbildnerin Dorothee Schmid, um in einer gemeinsamen Klausur in  einen Dialog zu Sophie Taeuber eine filmische Aufführung zu kreieren. Insofern ist meine Arbeit keine Rekonstruktion, sondern eine Neuinterpretation

Ausgangslage waren meine Filmaufnahmen von vier tanzenden Taeuber-Marionetten (König Hirsch / Doktor Freud / Doktor Complexus / Wache). Gemeinsam entwickelten wir dazu vor Ort vier Szenen mit entsprechenden Bewegungen, Kostümen, Masken und Gesang, wobei die Marionetten-Aufnahmen wiederum live auf die Szenerie projiziert wurden. Um die verstorbene Künstlerin präsent zu machen, habe ich zusätzlich die Fotografien von Sophie Taeuber mit ihren Dada-Köpfen integriert.

Die Risikobereitschaft Sophie Taeuber-Arps hat mich nachhaltig beeindruckt, riskierte sie doch mit den avantgardistischen Tanzdarbietungen ihre Anstellung an der Kunstgewerbeschule. Es wurde ihr mit der Kündigung gedroht, falls sie weiterhin aktiv bei den Dadaisten mit­wirken sollte. Aber Taeuber tanzte weiter, fortan hinter einer Maske. Daher der Titel meiner Videoarbeit: SOPHIE TANZT TROTZ­DEM. Kunst als Risiko, die Maske als Mittel des Widerstands.

Anka Schmid, im August 2014